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Johann Gottlieb Christaller an Gottliebe Merkle:

Christaller ist etwas in Unruhe, weil das zu erwartende Schiff noch nicht erscheint, er bringt die Wartezeit aber mit Arbeiten zu

(Christiansborg (= Osu), 11. Jan. 1864)

M3,64 G C 1

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Dein Brief, den Du am 29. Okt., 1. und 15. Nov. an mich u meine lb Emilie gemeinsam richtetest, kam samt den von unseren lb Eltern in Waiblingen u Briefen von Frau Pf Meuret u Frl. Scholtz in Basel am 21. Dez. hier in meine H├Ąnde, meine theure Emilie aber, welcher doch, der Natur der Sache nach, alle diese Briefe zun├Ąchst galten, hat sie bis heute noch nicht gesehen, denn die Volta ist noch nicht angekommen u vielleicht kommt ja auch das n├Ąchste Postschiff mit neuen Briefen aus der Heimath noch zuvor. Es sind ja nur noch 9 Tage bis zum 20. Nun, da ich einmal im Warten bin, will ich geduldig warten, bis das Warten Freude wird, ich bin auch jetzt nicht traurig, wissen wir ja doch, an wen wir glauben.

Bis zum 16. Dez. war ich in Aburi noch vollauf besch├Ąftigt; Br. David Asante war auf 14 Tage von Akropong gekommen u hatte mir in meinen sprachlichen Arbeiten gen├╝tzt. Am 17. Dez. kam Bruder Kromer von Akropong her, er hatte schon am 7. Dez. Kyebi verlassen u wollte am 15. Dez. in Osu eintreffen, seine Braut zu erwarten, denn wenn die Volta ausgangs Okt oder 1. Nov abfuhr, so konnte sie m├Âglicherweise Mitte Dez da sein.

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[...] Ich hatte diesen Tag festgesetzt, weil ich Miss. Mader u seine Frau zu sehen w├╝nschte. [...] Dies wurde mir am 21. Dez. zutheil, [...] ich war mit Br. Mader drei Jahre im Missionshaus zusammen gewesen in derselben Klasse, ja neben ihm gesessen u hatte ihn im Januar 1853 in Sierra Leone das letztemal gesehen. Wir erhielten nun m├╝ndliche u schriftliche Nachrichten, da├č die Volta wegen st├╝rmischen Wetter(s) erst am 9. Nov. habe in See gehen k├Ânnen, da├č auch nachher Westwind im Kanal geherrscht habe. [...] Es konnte auch in der Zone der Windstille neuen Aufenthalt geben, die Volta sollte bei Cape Palmas anhalten, um dort Neger f├╝r die Arbeit des Aus- und Einladens der Schiffsfracht an unserer K├╝ste einzunehmen. [...]

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Weihnachten predigte ich in Englisch ├╝ber die gro├če Freude Lukas 2 am 26. Dez. kamen die Br├╝der Zimmermann u R├Âs, am 27. Dez. wurden 22 meist j├╝ngere Erziehungsknaben von Br. Aldinger getauft, am 28.Dez. hatten die Wesleyaner ihr Missionsfest in British Acra. [...] Br. R├Âs arbeitete an seinem Ga-Gesangbuch. Ich habe auch Arbeit mitgenommen, bereite zun├Ąchst die Evangelien f├╝r den Druck einer zweiten Auflage des NT vor, auch sonst kann ich mir hier zu thun machen u den hiesigen Aufenthalt benutzen. [...] Es ist heute der 64. Tag, da├č die Volta in See ging, ihre erste Fahrt machte sie einschlie├člich des Anlaufens bei Cape Palmas in 54 Tagen; die Fahrten Dahome waren meist in die 40 oder 50 Tage, eine in 42, eine aber auch in 81 Tagen. [...]

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Diese Wartezeiten sind nicht das Schwerste, was man in der Missionslaufbahn durchzumachen hat, wenigstens an sich nicht. Das einmal wird mehr die Geduld ge├╝bt, ein andermal mehr der Glaube, dann wieder die Liebe gepr├╝ft, meist aber gehts in- und miteinander. [...] Die eingangs erw├Ąhnten vier Briefe haben mich in Bezug auf unsere lb Kleinen recht beruhigt u erfreut, u ich bin Gott u Euch, die Ihr f├╝r sie sorget, dankbar, da├č sie so gut aufgehoben sind. Ich selber bin nun 19 Monate von ihnen, es verlangt mich aber nach ihnen je und je noch in gleicher Weise wie in den ersten Monaten, f├╝r die treubesorgte Mutter vollends, die keine solche beruhigenden Nachrichten mehr nach Bremen bekam, mag die einf├Ârmige Seefahrt vom 1. Nov an nun 10 bis 11 Wochen auch in dieser Hinsicht eine schwere Zeit sein. Es freut mich, da├č Du, lb Schwester, einige Worte von ihr anf├╝hrst, die sie von Bremen aus geschrieben.

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Wir haben hier im Heidenlande auch ferner keine lieblichen oder dem Fleische angenehmen Tage, beneidenswerte Lagen oder vergn├╝gliche Zust├Ąnde zu gewarten, aber ich verspreche mir desto mehr Gewinn davon, da├č wir unsere K├╝mmernisse und M├╝hen uns gegenseitig erleichtern und sie gemeinsam und eines f├╝rs andere auf den Herrn werfen und dagegen aus Seiner Gnaden- und Liebesf├╝lle uns erquicken lassen. Das Schreiben war uns in der Tat ein armseliger, sehr ungen├╝gender Behelf. Und ich f├╝hle dies in diesem Augenblick auch Dir gegen├╝ber. Es ist eben alles Irdische ungen├╝gend, unvollkommen u St├╝ckwerk.

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12. Jan.: Doch hat Gottes Barmherzigkeit noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu u seine Treue ist gro├č. Ja, es darf mir wohl gro├č sein, da├č ich diese 19 Monate jeden Morgen gesund vom Lager aufstehen u noch kein Fieber oder Krankheit mich befallen durfte. -

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Br. Schrenk war in letzter Zeit am meisten krank, er hatte es jahrelang ├╝bermacht mit Arbeiten. Er war drei Monate auf den Bergen, viel krank an Fieber u Dysenterie, und hier hatte er R├╝ckf├Ąlle in beides, rafft sich aber doch immer wieder auf. Die Handwerksbr├╝der Laichle u Lindenmaier sind auch in ihrer Gesundheit so heruntergekommen, da├č sie dieses Fr├╝hjahr heimkehren werden. Auch Br. Aldinger hat dies im Sinne. Die 1863 neu gekommenen Br├╝der sind gesund u r├╝stig, bis auf Br. Schimanek, der am 21. Dez. zur Erholung [...] gieng, dort aber noch nicht viel gewonnen hat u bis Ende Jan. dort jedenfalls bleiben wird.

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