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Johann Gottlieb Christaller an Gottliebe und Philipp Merkle:

Christaller erwartet l├Ąngere Zeit die Ankunft der f├╝r ihn bestimmten, aber ihm noch nicht bekannten Braut Emilie Ziegler; er schildert sehr genau, wie er die langen Wochen des Wartens zugebracht hatte und spricht dann von der ersten Begegnung der beiden Brautleute in Christiansborg

(Akropong, 5. Jan. 1857)

M3,57 G C 2

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Geliebte Schwester und Schwager Merkle.

Eure mir so lieben Briefe vom 7. Sep. u 2.-15. Nov. wurden mir am 23. Dez. durch meine lb Braut eingeh├Ąndigt. An diesem Tage wurde es mir also durch Schauen zur Gewi├čheit, die keinen zweifelnden Besorgnissen mehr Raum lie├č, da├č ich die theure Emilie mein nennen d├╝rfe. Da├č sie, wenn sie nur einmal k├Ąme, die rechte f├╝r mich bestimmte sei, daran zweifelte ich nie, und die Gewi├čheit, die jedes von uns beiden davon hatte, da├č der Herr uns zusammen gef├╝hrt hat, wurde durch die gegenseitige Mittheilung (hier ist ein Loch im Brief) so, da├č ich glauben m├Âchte, es werden selten Verlobte sie in solchem Grade haben. Auch uns stand u steht, um Deine Worte, lb.Gottliebe, zu gebrauchen, 'endlich nun Gottes ganze F├╝hrung vor unseren Augen', und wir k├Ânnen sagen mit den Worten eines Liederverses, der mir w├Ąhrend meiner vierw├Âchigen Wartezeit in Christiansborg einmal lieb wurde, 'Herr mein Hirt, du Brunn der Gnade, deine Pfade enden alle wunderbar.'

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Ihr werdet nemlich aus meinem Brief an G. Hafner schon ersehen haben, da├č ich auf einem Brief von Br. Widmann von Christiansborg vom 23. Okt., der mich aus zwei Briefen von Br. Stanger u Hrn Linder den einfachen Schlu├č machen lie├č, da├č meine Braut, mit der 'Ida' alle Tage dort ankommen k├Ânne, ich also Br├Ąutigam sey, mich am 25. Okt. auf den Weg machte, um sie in Christiansborg zu erwarten; da├č sie vor mir dort ankommen werde, war mir nicht wahrscheinlich.

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Ich verlie├č Akropong am Sa VM mit zwei Tr├Ągern, wurde aber ehe ich Mamse erreichte, durch einen Regen, der in zwei Minuten den Weg in ein B├Ąchlein verwandelte, ganz durchn├Ą├čt, was mir aber den stillen Dank u die Heiterkeit nicht verdarb, denn ich dachte, zugleich im R├╝ckblick auf meine Vergangenheit, an die Worte Paul Gerhardts; 'Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der sch├Âne Sommer ein: also wird auch nach der Pein, wers erwerben kann, erfreuet.' In einer Otji-├ťbersetzung des herrlichen Liedes dr├╝ckte ich mich hier etwa so aus: La├č den Regen nicht erst peitschen, bis die Sonne wiederkommt, und ich werde mit Geduld warten, das was er mir tun wird. Alle Dinge schwinden hin, nur nicht Gottes Liebessinn. (Er gibt hier die ├ťbersetzung dieser Verse in die einheimische Sprache.)

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In Mamse konnte ich mich bei meinen alten Freunden aus meinem Koffer umkleiden, meine nassen Kleider teilweise waschen, auswinden u unterwegs trocken werden lassen, sprach auch unterwegs, wo es Gelegenheit gab, zu den Leuten, wurde ├╝brigens noch ehe ich Aburi erreichte, abermals von einem Regen ├╝berfallen u durchn├Ą├čt. Die 3 1/2 Stunden weiter bis Abokobi mu├čte ich deshalb am So Morgen machen, ich traf dort Br. S├╝├č bei Bruder Steinhauser u beide begl├╝ckw├╝nschten mich. Am Mo gings nach Christiansburg.

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Die erste Woche war mir das Warten lieb, dann stiegen mir wohl auch Besorgnisse auf, aber wir wu├čten, der Herr kann 6 Missionsgeschwister nicht ohne Rettung verungl├╝cken lassen, dachten an Kohlenmangel, an Besch├Ądigung der Dampfmaschine, an die mindere Zuverl├Ąssigkeit der neuen Gesellschaft usw., u nachdem wir ein paarmal durch ankommende Kriegsdampfer n├Ąchtliche Raketen von den Forts u Kanonensch├╝sse vor├╝bergehend get├Ąuscht waren, warteten wir nicht wohl mehr so sehr auf die 'Ida' als auf das n├Ąchste Postdampfschiff. Ich kann sagen, ich war des Wartens nie ├╝berdr├╝├čig oder unzufrieden, war ich ja nicht schuld daran, konnte nichts machen u wu├čte alles in Gottes Hand.

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Diese Zeit war mir eine gesegnete, u ich suchte sie zu ben├╝zen so gut ich konnte, sah sie zugleich als eine weiter verg├Ânnte Erholungszeit an, stiller u ruhiger als die auf dem Schiff und in Sierra Leone.

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Endlich am Abend des 19. Nov, meines Geburtstages, kam die 'Candace'; vom Fort in British Accra wurde unvorsichtigerweise noch in der schon eingebrochenen Nacht ein Canoe abgeschickt, um die Post abzuholen; die auf dem Schiff befindliche Witwe des k├╝rzlich verstorbenen holl├Ąndischen Gouverneurs von Elmina bestand, trotz der abmahnenden Bitten des Kapit├Ąns, darauf, in diesem Canoe ans Land zu gehen mit ein oder zwei Kindern u ein paar Dienstboten. Sie war von Accra geb├╝rtig, u weil erst ihr Mann u ihr Gro├čvater gestorben waren, sch├Ąmte sie sich, bei Tage in die Stadt zu kommen. Aber in der Brandung schlug das Canoe (sprich Kanuh) um, u Mutter u Kind ertranken. (Die Posts├Ącke blieben mit Ausnahme eines einzigen gl├╝cklicherweise in dem vorne bedeckten Teil des Canoes h├Ąngen, sonst w├Ąren wir um die sehnlich erwarteten Briefe von Basel u von unseren schiffbr├╝chigen Geschwistern gekommen.)

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Am anderen Morgen ging Br. Stockmann an Bord, Br. Locher u ich guckten uns durch das Fernrohr die Augen m├╝de, um das verabredete Zeichen, da├č die Geschwister dort seien (Frau Locher h├Ątte das auch wegen des Kochens wissen sollen).

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Endlich stie├č das Canoe vom Schiff ab, aber als es n├Ąher kam, sah ich nur zwei Herren darin, die ich allerdings auch erwartet hatte: Bischof Weeks von Sierra Leone u Br. Frey, sein Begleiter, bei dem ich in Waterloo drei Wochen gewesen war. Letzterer sagte mir gleich von dem Schiffbruch der 'Ida' u dem Unfall, der meine Braut noch besonders dabei betroffen, er meinte aber, sie habe den Daumen abgebrochen. Um besonderer Umst├Ąnde willen erhielten wir die Briefe erst nachmittags von Accra her├╝ber. Die den Br├╝dern bei der Aussendung mitgegebenen Committeebriefe (alle von Hrn Insp.) erfreuten uns, mich besonders der ├╝ber meine Braut, den Zunamen wu├čte ich schon aus einem Briefe vom 3. Aug., den Taufnamen Emilie, den auch Lochers Kind f├╝hrt, lie├č sich Frau Mohr in eben diesen Tagen tr├Ąumen, so da├č sie ihn schon wu├čte, als ich hinauf kam. Und Br. Hecks Brief ├╝ber den Schiffbruch u die Errettung beruhigten uns, mich besonders freute der Gru├č, den Emilie schreiben lie├č, und obwohl wir nur mit tr├Ąnenden Augen u brechender Stimme lesen konnten, wie sie sich schon zum Sterben bereiteten und einander den Trost des Ew. Lebens zusprachen, so erkannten wir doch, da├č der Ursache zum Dank u Preis, ja zur Freude ├╝berwiegend mehr sei u in dieser Stimmung trat ich auch des anderen Morgens unverweilt meine R├╝ckreise nach Akropong an, um auch den dortigen Geschwistern ihr ungewisses Harren zu beendigen. Da Bruder Locher, der am NM den Bischof u Bruder Frey nach Accra begleitete u dort ihre Wiedereinschiffung f├╝r Lagos besorgt hatte, u Bruder Rottmann, der sonst Gesch├Ąfte gehabt, erst abends mit ihren Leuten zur├╝ckkamen, so wurden die drei Mann, die ich f├╝r H├Ąngematte u Koffer brauchte, erst des andern Morgens zusammengebracht u es wurde ├╝ber die Ebene hin sehr hei├č, w├Ąhrend meine Haut trocken blieb.

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In Abokobi blieb ich, schon wegen eines nach meiner Ankunft gekommenen Gewitterregens, ├╝ber Nacht, hatte deshalb am n├Ąchsten Tag (Sa) noch etwa 9 Stunden mit vier Tr├Ągern. In Tutu, durch etwas Regen aufgehalten, ging ich zu dem Vater eines durch meine Veranlassung unter Mohrs Arbeiter eingetretenen u dann in Accra getauften jungen Mannes u hatte in einem von Leuten vollgepfropften H├Ąuschen eine lebhafte Unterredung mit ihm u den anderen Anwesenden, aber als ich wieder auf die Stra├če herauskam, ├╝berfiel mich Fieberfrost, so da├č ich mich, obwohl der Regen noch nicht ganz aufgeh├Ârt hatte, in die H├Ąngematte legte u die ├╝brigen drei Stunden mich fast immer tragen lie├č, bis es dunkel wurde u die Tr├Ąger sagten, sie sehen den Weg nicht mehr; so ging ich noch eine halbe Stunde, wenn auch nicht so r├╝stig wie sonst, u kam wohlgemuth in Akropong an, aber am andern VM (So 29. Nov.) kam ein starkes Fieber, das wie meine fr├╝heren seine vier Tage haben wollte. (Der unangenehmste Teil, die auf den Frost folgende Hitze u gro├če Mattigkeit, dauerte nur eine oder ein paar Stunden). Doch dann erholte ich mich wieder gut u wunderte mich, da├č ich am 10. Nov. abends wieder Fieber bekam. Es war freilich auch die Witterung ungesund, in der Stadt gab es viele Kranke, u meine Besch├Ąftigung mit den Censurbemerkungen zu den Evangelien u anderem mochte auch dazu beitragen.

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Am 13. Nov. Abends holte man mich, so m├╝de ich noch war, zu einem Manne, dem eine zersprungene Flie├če (= Fliese) Haut u Gelenke von Daumen u Zeigefieber zerrissen u von letzterem die Spitze hinweggenommen hatte. Ich tat was ich konnte u verband die Hand, sie brachten ihn aber des andere Tages, wie sie dies oft mit Kranken tun, auf ein Plantagendorf u ├╝berhoben mich dadurch weiterer Behandlung.

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Am 18. Dez. Mittags wollte ich mich wieder auf den Weg machen nach Christiansburg in der Hoffnung, die├čmal zu meinem Zwecke zu gelangen. Einer mu├čte doch die Geschwister f├╝r Akropong abholen u ich h├Ątte es mir nicht nehmen lassen, meine Braut dort zu empfangen u herauszubringen. Br. Zimmermann, der seine Br├╝der erwartete, hatte ├╝berdie├č die unerfreuliche Gewi├čheit bekommen, da├č er in seinem rechten Unterschenkel den Guinea-Wurm habe, der anfing, ihm Schwellung u Schmerzen zu verursachen u ihn am Gehen zu hindern.

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Am Abend zuvor u am Morgen des 18. waren sechs Mann f├╝r mich gefunden, also einer zuviel, da ich nur einen Lasttr├Ąger f├╝r meinen Koffer u vier H├Ąngemattentr├Ąger wollte. Da die bestellten auf 11 Uhr nicht kamen, schickte ich nach ihnen, da wollten zwei nicht mehr, ich dachte, das thut nichts, schickte nochmals nach dem Koffertr├Ąger, da war dieser schon fortgegangen u kein anderer zu finden. Ich lie├č den Koffer stehen u nahm das N├Âtigste in meine H├Ąngematte mit den zwei Tr├Ągern; nun machte mir mein Knabe noch die meiste Unlust, der ein Kistchen mit Mangofr├╝chten und gr├╝nen Bohnen f├╝r Lochers Tisch nicht aufnehmen wollte. Ich bat Frau Mohr, mir f├╝r diesen Fall ihren Kochjungen mitzugeben u lie├č mich, nachdem ich den ersten rauhen Teil des Weges gegangen, bis Mamse tragen. Dort war eine Kost├╝me (d. i. wohl eine Art Festlichkeit?), der Kochjunge kam mit dem Kistchen, u mein Knabe mit, obwohl ich ihm wiederholt gesagt hatte, wenn er das Ding aus Stolz oder anderen Gr├╝nden nicht tragen k├Ânne, ich ihn nicht behalte. Einen meiner Tr├Ąger aber, als er die Kost├╝me mit Trommeln, Tanzen, Palmwein in vollem Gang sah, d├Ąuchte es lustiger mitzutanzen u zu trinken, als sich nach Accra hinunter m├╝de F├╝├če zu machen. Er nahm sein S├Ąckchen mit den 12 Kr Weggeld, womit er sich f├╝r sein Tragen bezahlt halten konnte, aus der H├Ąngematte, als ich grade zu Fu├č zum Ort hinaus vorausgegangen war. Man sagte es mir, aber ich fand es am geratensten, ohne weiteren Zeit- und Wortverlust meines Weges zu gehen u lie├č die H├Ąngematte mit dem was darin war, durch den einzig ├╝briggebliebenen Mann nachtragen.

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In Mampong traf ich mehrere junge M├Ąnner auf der Stra├če u fragte sie, ob keiner tragen u sich etwas verdienen wolle. Aber, wie ich erwartet hatte, zeigte keiner Lust, au├čer um das Doppelte des Lohnes, den ich bot. Nun, ich lief gerne vollends bis Aburi, sprach auch in den drei D├Ârfern bis dahin einiges mit den Leuten, z.T. zu meiner eigenen Ermunterung.

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In Aburi bekam ich dann zwei unserer dortigen Christen u einen Accra-Mann zu Tr├Ągern, mit denen ich die schwierigen u steilen Stellen auf die Ebene hinunter nat├╝rlich gehend, in Abokobi bei Br. Steinhauser eintraf. Diesen fand ich auf einem Schmerzenslager; er hatte kurz vorher einen etwa zwei Fu├č langen Guinea-Wurm aus dem Unterschenkel nahe am Knie herausgekriegt, u einen anderen hatte er noch in der Fu├čsohle. Er hatte ein St├╝ck davon bereits in der N├Ąhe der gro├čen Zehe herausgezogen, als er ungl├╝cklicherweise abri├č, wodurch der Proze├č langsamer u schmerzhafter wird, da es nun durch eine neue Geschwulst u Vereiterung geht. Es ist selten, da├č Europ├Ąer diese Plage der Goldk├╝sten, besonders der Accra-Neger bekommen. Hier in Akropong bekommen ihn auch fast nur die Accraer, die gangbarste Art Ansicht schreibt die Entstehung der W├╝rmer dem Wasser an der K├╝ste zu. Die Br├╝der Zimmermann u Steinhauser werden von den Accra-Negern als durch diesen Umstand naturalisiert betrachtet u mit gro├čer Teilnahme besucht u beraten. Diese neue Verkn├╝pfung mit dem Gef├╝hl oder Herzen der Eingeborenen ist ihm nat├╝rlich nicht unlieb, u Br. Steinhauser konnte nun ├╝ber diesen den europ├Ąischen ├ärzten noch so r├Ątselhaften Parasiten im menschlichen K├Ârper u seine Ausscheidungsgeschichte an sich selber Erfahrungen machen, aber, infolge der Dicke der Sohlenhaut u der dort befindlichen zahlreichen Nerven so schmerzte, da├č er, als ich zu ihm kam, bereits etwa 6 Tage bei Nacht vor Schmerz gar nicht geschlafen hatte. Er schnitt sich den Fu├č an jenem Abend noch auf, wodurch er einige Erleichterung bekam, aber er schrieb nach Chr(istiansborg), der Herr m├Âge jeden von uns in Gnaden davor bewahren, u an Zimmermann schrieb er: Oh liebliches Afrika! Hat man den Nuzen, so hat man auch den Buzen!

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Ich h├Ątte gern dem auf sein Schmerzenslager gebannten Br. Steinhauser bis den anderen Tag Gesellschaft geleistet, aber das Schiff konnte an diesem Tage kommen u dann war keine Zeit zu verlieren, wenn wir vor Weihnachten nach Akropong kommen wollten. Steinhauser konnte seine Braut mit diesem Schiff erwarten, hatte uns kurz vorher nach Akropong geschrieben, auf was f├╝r Freiersf├╝├čen er gehe oder vielmehr herumliege oder herumhinke. Es wurde Nacht, eine gute Weile ehe ich nach Chr. kam. Da ging ich nat├╝rlich zu Fu├č, ein Tr├Ąger, der in Abokobi in die Stelle des von Akropong mitgenommenen trat, da dieser in Zimmermanns Dienst war u Eier einkaufen sollte, meinte, so oft ich auf dem mitunter unebenen steinigen Weg stolperte, ich werde fallen, aber ich sang wohlgemuth einige Lieder u f├╝hrte dann mit ihm eine Unterhaltung in Otji, bis wir zwischen den Ruinen von Usu (Osu) u an dem Fort Chr. vorbei auf das Missionshaus zukamen.

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Am Sa war ich m├╝de von der Reise, vom So u Mo wei├č ich nichts besonderes, am Die war die engl. Flagge des Forts wegen eines amerikan. Kriegsschiffes, das sich zu 3-4 Kauffahrerschiffen auf der Rhede (= Reede) von Accra gesellt hatte, aufgezogen, aber unvermutet machte ein Kanonenschu├č vom Fort Chr. auf das von unten herauf kommende Postdampfschiff aufmerksam, das in der Fr├╝he an Accra vorbeigesegelt war u nun wieder umkehrte. Es kam n├Ąher, w├Ąhrend das Kriegsschiff durch Abfeuerung aller seiner Kanonen zuerst die englischen Forts begr├╝├čte, was vom Fort Chr. in gleicher Weise beantwortet wurde, u dann das holl├Ąndische. Ob letzteres u das englische Fort in Jamestown (Brit. Accra) auch antworteten, darum k├╝mmerte ich mich nicht, denn unsere Aufmerksamkeit war auf den Mail-Steamer gerichtet, der endlich Brit. Accra gegen├╝ber Anker warf u seinen Schu├č h├Âren lie├č.

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Bruder Rottmann lie├č sein Canoe mit eingeborenen Gehilfen u einem Katechisten von Chr. abgehen, er selber begab sich nach Accra, um dort die Briefe zu empfangen u dann auch aufs Schiff zu gehen.

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Ich hatte noch etwas zu schreiben, dann stellte ich mich hinter Lochers Fernrohr u bald sahen wir, nachdem unser Canoe den 3/4 st├╝ndigen Weg zur├╝ckgelegt hatte u am Schiff angelangt war, ein wei├čes Sacktuch vom Hintertheil des Dampfschiffes hin und her geschwenkt, worauf wir durch eine wei├če Flagge mit rotem Kreuz vom platten Dach des Missionshauses Antwort geben lie├čen.

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Ich machte mich bereit, meine Braut zu empfangen, sah durch das Fernrohr ein Frauenzimmer in dem nahenden Canoe mit drei Europ├Ąern. Als sie sich der Brandung n├Ąherten, hatten sie ihre Schirme zugemacht u ich sah dann gerade noch, wie sie eine der ├╝berst├╝rzenden Wellen gl├╝cklich auf ihrem R├╝cken dem Strand zugleiten lie├č; letzteres, also auch das Aussteigen verdeckte mir des Mulatten William Haus.

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Bruder Locher hatte die Geschwister am Strande empfangen, die Bev├Âlkerung des Missionshauses nat├╝rlich gr├Â├čtenteils mit ihm. Ich wartete in Lochers Saal, begr├╝├čte die Br├╝der Heck, Knecht und Haas, u dann sagte mir Bruder oder Schwester Locher, da├č meine Braut bereit sei, mich zu begr├╝├čen oder zu empfangen. Ich ging in ihr Zimmer, in dem auch ich bei meiner Ankunft mit Bruder Mader untergebracht worden war, und bewillkommte sie im Namen des Herrn, dr├╝ckte meine Freude u meinen Dank gegen den Herrn aus, erkundigte mich nach ihrer Seefahrt, ihrem Daumen, nach Euch usw. Sie sagte mir, wie Du, liebe Gottliebe, gew├╝nscht habest, auch nur diesen ersten Tag bei uns u Zeuge unseres Gl├╝ckes sein zu k├Ânnen. Nun ja, gl├╝cklich waren wir, f├╝hlten uns wie lange schon bekannt, wozu wohl Du, lb Schwester, nicht wenig beitrugest, denn auch ihre Z├╝ge erinnerten mich, wie ich mir nachher bewu├čt wurde, an die Deinigen, neben dem, da├č wir von Dir sprachen, u bald auch Deine Briefe miteinander lasen oder einander mittheilten.

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Wenn sie Dir gleich sieht u Du mir gleich siehst, so sehen wir auch einander gleich, u wirklich habe ihr auch Frau Jonas in Sierra Leone gesagt, ihr Gesicht komme ihr so bekannt vor. Sie meine, ein ├Ąhnliches noch nicht lange gesehen zu haben, u dann sich erinnert, da├č ich das gewesen sei. Auf dasselbe kamen die westindischen Frauen hier, als sie uns begr├╝├čten, u dann mit Frau Mohr mit uns redeten. Ebenso finden unsere heidnischen u christlichen Eingeborenen, die ├╝ber solche Pers├Ânlichkeiten oft ein sehr richtiges Urteil haben, da├č wir so zueinander passen, u sagten von mir: Gott ist wahrhaftig mit ihm, Gott liebt ihn viel. Sie wunderten sich (wie Frau Mohr sagte), wie man das daheim so habe wissen k├Ânnen, u wirklich ist es merkw├╝rdig, wie bei Widmann, Dieterles, Mohrs, Maders auch die ├Ąu├čere Gestalt so zusammenpa├čte. Doch das Wichtigere ist nat├╝rlich das innere Zusammenstimmen, u dies findet bei uns, wie ich gewi├č glaube, nicht weniger statt. Wir fanden dies schon in manchem, z.B. in Lieblingspsalmen oder Liedern, dann kamen wir auch auf gemeinsame pers├Ânliche Bekanntschaften, da├č sie mich in Waiblingen einmal gesehen, der lb Bruder M├╝nzenmaier, der in ihrem elterlichen Hause so bekannt war u dessen Tod wir gerade in Chr. erfuhren, dort von mir erz├Ąhlte, hat sie Dir vielleicht gesagt.

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Nun, um nicht zu weit abzuschweifen, wenn wir eine Mittelsperson noch bedurft h├Ątten, so h├Ąttest Du, lb G(ottliebe), am besten dazu gepa├čt, aber wir waren ja doch nicht alleine, u ich sagte meiner lieben Emilie, wir wollen den Herrn Jesum stets den ersten in unserem Bunde sein lassen. ├ťbrigens, wenn wir auch Zeugen unserer vertraulichen Unterhaltung gehabt h├Ątten u hatten, so konnten sie wohl ruhige u gespr├Ąchige Heiterkeit, aber nichts Au├čerordentliches oder Leidenschaftliches bei uns wahrnehmen. Schon w├Ąhrend jener vier Wochen war mir ein Vers von Zinzendorf lieb geworden, der so lautet:

So kommt ihr l├Ąngst Erwarteten

u la├čt Euch br├╝derlich empfangen!

Die durch das Kreuz Erharrteten

sind m├Ą├čiger in dem Verlangen,

als ungebrochene Herzen sind,

die alles wollen, was sie m├Âgen;

ein von dem Herrn gezogen Kind

eilt seinem Willen froh entgegen.

Auch der n├Ąchste Vers [...] stehe hier. [...]

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(Ob der) obige Ausdruck: 'Die durch das Kreuz Erharrteten' f├╝r mich nicht zu stark ist, wei├č ich nicht, obwohl es in Afrika an ├ťbungen der Geduld u Selbstverleugnung nicht fehlt u ich auch einen Gewinn gleich dem obigen angedeuteten davon hatte, getraue ich mir doch nicht, meine bisherigen Erfahrungen 'Kreuz' zu nennen, und doch darf ichs so nennen, sonst m├╝├čte ich ja schlie├čen, ich geh├Âre noch garnicht zu seinen J├╝ngern u Nachfolgern, aber man findet eben beim R├╝ckblick, da├č des Christen Tr├╝bsal im Grunde doch nur vor├╝bergehend zeitlich und leicht ist. Ja, sein Joch ist sanft u seine Last ist leicht, da├č man schon mit und unter ihr Ruhe findet f├╝r die Seele. [...] Aber obwohl wir schon am 29. u 30. Dez. hieher reisten u gl├╝cklich ankamen, kam ich ebenso lange nicht zum Schreiben. Wir sind in Afrika - es mit mehrerem zu erkl├Ąren, w├Ąre zu weitl├Ąufig, u ich wars oben schon, am unrechten Orte. Was meinen Dank an Euch betrifft, mu├č ich nur in gro├čartigerem Ma├čstabe machen wie unsere Neger, die sich f├╝r ein Geschenk erst am anderen Morgen bedanken. Der Herr segne Euch u Euren G. Christaller.

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